Landwirte

Da sowohl im Einkauf als auch im Vertrieb bewusst regional gewirtschaftet wird, fallen die Ausgaben für Zulieferer und Dienstleister nahezu vollständig regional an.
MÄRKISCHES LANDBROT ist neben einer Bäckerei auch eine in der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V. organisierte Mühle. Mit den im Betrieb installierten Mühlen ist die Bäckerei in der Lage, die gesamte Getreide-Verarbeitungsmenge täglich selbst zu vermahlen. Nur Auszugsmehle werden aufgrund des Feinheitsgrades über die Mühlen Wolter oder Kümmel gemahlen. Circa 80 Prozent des Getreides werden bei MÄRKISCHES LANDBROT als vermahlenes Vollkornschrot und Vollkornmehl verbacken.
Diese Geschäftspolitik bietet die Möglichkeit, das Getreide direkt bei den Bauern einzukaufen (siehe auch Getreide). Bevorzugt werden dabei die Bauern aus Brandenburg. Reicht die mögliche Liefermenge aus Gründen der Erntemenge oder der Qualität in Brandenburg nichts aus, werden Bauern aus Sachsen und danach der Demeter-Partnerbetrieb aus Juchowo (an der polnischen Grenze) einbezogen. Alle diese Partner sind Mitglied unseres Runden Tisches Getreide. Erst wenn unser Getreidebedarf aus dieser Runde nicht gedeckt werden kann, wird möglichst regional Ersatz gesucht.
Oben genanntes schließt auch den an die Mühlen gelieferten Anteil ein, der von MÄRKISCHES LANDBROT direkt beim Bauern gekauft, von der Mühle in Lohnverarbeitung vermahlen und an die Brotbäckerei geliefert wird.
27 Prozent der von MÄRKISCHES LANDBROT weitergegebenen ökonomischen Werte sind 2015 in Form von Rohstoffzahlungen direkt an die Landwirte geflossen.

Bei Wetterkapriolen, wo Hitze und Trockenheit im Frühjahr sowie zu viel Regen im Sommer den Landwirten zu schaffen macht und erhebliche Ernteausfälle im Umland die Folge sind, müssen unsere Getreideeinkäufe umstrukturiert werden.
Für die Bäcker bedeuten veränderte Getreidequalitäten immer viele Tests, um Teigführung und Knetzeiten anzupassen, damit für die Kunden stets die gewohnte Qualität gewährleistet wird.

Peter Krentz vom Ökodorf Brodowin mit Katja Noll von MÄRKISCHES LANDBROT bei der Getreideprüfung 2017.
Peter Krentz vom Ökodorf Brodowin mit Katja Noll von MÄRKISCHES LANDBROT bei der Getreideprüfung 2017.

Neben dem Vorteil, dass wir genau wissen, was im Getreide und im Mehl 'drin' ist – weil es nicht durch eine zentrale Mühle mit mehreren unterschiedlichen Getreidechargen gemischt wurde – führt der direkte Kontakt zu den Landwirten zu einer besonderen und persönlichen Beziehung zwischen Bäckerei und Bauern.
Jährlich besuchen Betriebsleiterin Katja Noll und Geschäftsführer Joachim Weckmann die Landwirte persönlich. Hier werden die Felder angesehen, über den Stand des Getreides und über erwartete Erntemengen gesprochen.

Treffen der Landwirte, Müller und Bäcker beim Runden Tisch Getreide 2017 in Berlin.
Treffen der Landwirte, Müller und Bäcker beim Runden Tisch Getreide 2017 in Berlin.

Neben diesen Gesprächen vor Ort auf den Höfen bietet auch der jährlich bei MÄRKISCHES LANDBROT stattfindende »Runde Tisch Getreide« die Möglichkeit, sich auszutauschen. Hier nehmen alle Bauern teil, die MÄRKISCHES LANDBROT beliefern. Auch für andere Demeter-Bäckereien ist die Runde offen. Dies ist der Ort, an dem wir gemeinsam kritisch Getreidequalitäten diskutieren und ein Abgleich zwischen erwarteten Erntemengen der Landwirte und den zu verarbeitenden Mengen der Bäcker stattfindet.
Die lange Jahre praktizierte Zusage von Getreidepreisen im oberen Drittel des Marktpreises wurde mit dem »Runden Tisch Getreide 2009« wieder aufgegeben. 2009 wurde in der Runde beschlossen, sich bei der Preisfindung unabhängig zu machen von schwankenden Marktpreisen, die weder die Bedürfnisse der Landwirte noch die der Bäckereien widerspiegeln und lediglich von Nachfrage und Angebot auf den Weltmärkten bestimmt werden. Die vereinbarten Festpreise für Roggen, Weizen und Dinkel sollen den Landwirten ein gutes Einkommen sichern und angemessene Rohstoffpreise für die Bäcker sein. Seitdem legen die Bauern am Runden Tisch Getreide die Preise gemeinsam fest. Passt die Vereinbarung für einen Geschäftspartner nicht mehr, so wird die Runde einberufen und es wird neu verhandelt.
Wenn aufgrund von oben erwähnten Wetterkapriolen bestehende Zusagen nicht eingehalten werden können, muss nachverhandelt werden.

Nach einem außergewöhnlich trockenen Frühjahr 2016, das Missernten befürchten ließ, erholten sich die Getreidebestände Brandenburgs dank ausreichender Niederschläge Anfang Juni. Mit der von den Demeter-Bauern eingefahrenen Ernte kann MÄRKISCHES LANDBROT den Bedarf im Verarbeitungsjahr 2016 / 2017 an Dinkel und Roggen vollständig decken. Mengenmäßig reicht auch der geerntete Weizen aus. Bei einzelnen Partien müssen jedoch Backtests zeigen, ob die Qualität für das Verbacken in Brötchen ausreicht. Andernfalls würden kleinere Demeter-Weizenchargen in Sachsen zugekauft werden. Bereits das vierte Jahr in Folge sind die Roggenpartien enzymisch schwach. Bemerkenswert ist, dass die alten Sorten Champagnerroggen und Bergroggen diesem Trend nicht folgen, sondern ihre Fallzahlen, mit denen die Backqualität gemessen wird, im Idealbereich liegen. Dies ist eine schöne Bestätigung für die gemeinsam mit den Demeter-Landwirten verfolgte Strategie, mehr und mehr auf alte Sorten oder biologisch-dynamische Züchtungen zu setzen. Denn diese sind besser an die Brandenburger Standorte und die ökologische Bewirtschaftung angepasst als Hochleistungssorten aus konventioneller Zucht. Neben den alten Sorten sind aus biodynamischer Zucht die Roggensorten Firmament und Lichtkornroggen, der Dinkel Samir, sieben Weizensorten unter anderem Aszita oder Goldblume und die Gerste Pirona im Anbau. In 2017 soll zudem der Dinkel Emiliano ausgesät werden. Auch bei Karotten und Rote Bete werden bevorzugt biodynamische Sorten verarbeitet, die ebenso von fair & regional Bauern aus Brandenburg stammen.
Die Grundidee bei der Zusammenarbeit von Landwirten und Bäckern in der Initiative fair & regional Bio Berlin-Brandenburg ist es, die Auszahlungspreise für das Getreide unabhängig von den jährlichen Schwankungen des immer globaler werdenden Getreidemarktes zu diskutieren. Eine gute und verbindliche Zusammenarbeit steht im Mittelpunkt der Beziehungen, nicht der schnelle Euro für die eine oder andere Seite.
Beim diesjährigen »Runde Tisch Getreide 2016« äußerten die Demeter-Bauern eine große Zufriedenheit mit den bestehenden Preisen und der sehr guten Kooperation mit den Bäckern. Es wurde auch darauf verwiesen, dass die Einführung des Mindestlohns für viele Höfe eine Herausforderung darstellt, die im nächsten Jahr bei der Preisfindung diskutiert werden müsse. Für die Ernte 2016 beschlossen die Bauern, die Preise aus dem Vorjahr beizubehalten. Falls ein Bauer oder Bäcker den Preis im Laufe des Jahres als unstimmig erlebt, wird eine zweite Abstimmungsrunde einberufen.
Wie in den fair & regional Kriterien des Märkischen Wirtschaftsverbundes vorgesehen, stimmten die Bauern zum Abschluss des Runden Tisches Getreide darüber ab, ob MÄRKISCHES LANDBROT das fair & regional Partnerlogo verwenden darf. Es gab eine einstimmige Befürwortung.
Grundsätzlich übernimmt MÄRKISCHES LANDBROT zusätzlich die Kosten für Qualitätszuschläge, Transport und Lagerkosten, weitergehende Reinigungskosten, Kosten für Probenahme und Ablaufkoordination, Labor- und Analysekosten sowie Demeter-Lizenzgebühren.

Extreme Wetterverhältnisse waren auch 2017 für die Bauern in Brandenburg eine große Herausforderung, was sich auf die Erträge und Qualität des Getreides auswirkte. Die Ernteerträge lagen bei fast allen Demeter-Betrieben deutlich unter denen der letzten Jahre, bei Gerste gab es teils Totalausfälle. Dies bedeutete für MÄRKISCHES LANDBROT, dass Demeter-Dinkel und Demeter-Roggen nicht ausschließlich von fair & regional Betrieben aus Brandenburg bezogen werden konnten. Fehlmengen wurden von anderen Demeter-Bauern zugekauft. Beim »Runden Tisch Getreide 2017« wurde eine Erhöhung der Getreidepreise beschlossen aufgrund von unterschiedlichen Kostenerhöhungen in den letzten Jahren wie zum Beispiel Pachten und Löhne. Für die Ernte 2017 erhöhten sich die Getreidepreise um fünf Prozent. Die Dezitonne Roggen kostet 48,30 Euro, Weizen 54,60 Euro und Dinkel 60,90 Euro zuzüglich Qualitäts- und Lagerzuschlägen.
Wie in jedem Jahr wurde in der vorgeschriebene Abstimmung einstimmig befürwortet, dass MÄRKISCHES LANDBROT das fair & regional Partnerlogo nutzen kann.

Mit den am »Runden Tisch Getreide« garantierten Abnahmepreisen können die Bauern nicht nur gut leben und qualitativ gute Arbeit leisten, auch MÄRKISCHES LANDBROT sichert sich auf dem Markt höchste Getreidequalitäten und sorgt für eine außergewöhnliche Versorgungssicherheit.
Mit der Transparenz in der Preispolitik will MÄRKISCHES LANDBROT zu einer nachhaltigen Entwicklung des biodynamischen Landbaus beitragen.

Viele der uns beliefernden Landwirte haben die fair & regional Charta mit unterzeichnet. Inzwischen ist die Initiative über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und gilt als Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften. In Sachsen wurde bereits eine Initiative nach unserem Vorbild ins Leben gerufen.

Fairer Handel entlang der Wertschöpfungskette. © fair & regional Bio Berlin-Brandenburg
Fairer Handel entlang der Wertschöpfungskette. © fair & regional Bio Berlin-Brandenburg