Gemeinwohl-Bilanzen von MÄRKISCHES LANDBROT

Bilanzzeitraum 2014-2016

Bilanzzeitraum 2012-2014

Bilanzzeitraum 2011

Ergebnisse für das Bilanzjahr 2011 / Version 4.0, Auswertung nach Auditierung 652 von 1.000 Punkten.

Ergebnisse für das Bilanzjahr 2012-2014 / Version 4.1, Auswertung nach Auditierung 689 von 1.000 Punkten.

Ergebnisse für das Bilanzjahr 2014-2016 / Version 4.1, Auswertung nach Auditierung 773 von 1.000 Punkten.

Der Werte-Stern von MÄRKISCHES LANDBROT dokumentiert deutlich, dass der Fokus neben der Produktqualität vor allem auf der ökologischen Nachhaltigkeit liegt, wobei die sozialen Aspekte nicht vernachlässigt werden. Der Summenindikator Mitbestimmung und Transparenz zeigt, dass wir uns zwar auf den Weg zu mehr Mitbestimmung durch Mitarbeiter und externe Stakeholder gemacht haben, von einer konsensbasierten Entscheidungkultur aber noch weit entfernt sind. Zwar hat sich der Einzelindikator Innerbetriebliche Demokratie und Tranzparenz positiv entwickelt, weil mittels Gesprächsrunden Raum geschaffen wird, wo Mitarbeiter Wünsche und Vorschläge aktiv einbringen können und Entscheidungen konsensual getroffen werden. Negativ zu Buche schlägt jedoch der Alleinbesitz durch einen Eigentümer. Bis 2018 soll eine Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, das Unternehmen gegebenenfalls in eine Stiftung zu überführen.

Geschäftsführer Christoph Deinert sieht in der Gemeinwohl-Ökonomie eine Art »Transparenzmaschine« für das Unternehmen. Einerseits erfährt MÄRKISCHES LANDBROT über die Indikatoren, welche Messlatte die Gesellschaft an die Wirtschaft legt. Andererseits informieren wir uns mittels der auditierten Gemeinwohl-Bilanz, inwieweit wir die gesellschaftlichen Erwartungen erfüllen. So entsteht aus unserer Sicht ein Dialog, der das nachhaltige Wirtschaften fördert. Mit der Bilanz von 2011 wurde zum Beispiel erstmals die Lohnstruktur von MÄRKISCHES LANDBROT nach innen und außen veröffentlicht. Diese lässt sich so beschreiben: Mindestlohn zehn Euro, Bezahlung in der Mitte zwischen Bäckerhandwerk- und Backwarenindustrie-Tarif, ein Verhältnis von 1:5 zwischen dem im Betrieb am wenigsten verdienenden zum am besten bezahlten Mitarbeiter. Innerbetrieblich hat die Transparenz zu einer hohen Akzeptanz geführt. 
Wir werden weiterhin konsequent daran arbeiten, unsere Gemeinwohl-Bilanz zu verbessern.

 

Audit-Bericht von Volker Jäger
2015 hat das Unternehmen in einem Besuchsaudit zur Gemeinwohlbilanzierung für die Jahre 2012-2014 eine Punktzahl von 69 Prozent der möglichen Gesamtpunktzahl in der Bewertung erhalten. Die Selbstbewertung 2017 betrug 75 Prozent. Die abschließende Auditbewertung liegt bei 77 Prozent. Die zusätzlichen Punkte sind zurückzuführen auf
a) die Entwicklung, die seit 2015 stattgefunden hat
b) durch die stärkere Berücksichtigung der qualitativen Aspekte, wie sie sich in den Impulsfragen des GWÖ-Handbuches spiegeln.
Zum Beispiel wurde die enorm hohe Qualität »gelingender Beziehungen« im ökonomischen Prozess stärker gewichtet, die das Gemeinwohl erst wirklich garantiert sowie die assoziativ-kooperative Vernetzung mit den Partnern, welche die Wertschöpfungskette auszeichnen und für eine gerechte Preisbildung aller Beteiligten sorgt. Meines Erachtens ist das der entscheidende ökonomische Prozess, und eine Ökonomie der Zukunft wird von der ausreichenden Beantwortung dieser Frage abhängen. MÄRKISCHES LANDBROT ist ein Pionier auf diesem Gebiet.

Werte
In den Werten Menschenwürde (81 Prozent), Solidarität (79 Prozent), Soziale Gerechtigkeit (81 Prozent) und Ökologische Nachhaltigkeit (87 Prozent) werden sehr hohe Bewertungen erreicht. Ausschlaggebend hierfür waren beispielsweise für Menschenwürde insbesondere die hohe Qualität des ethischen Verkaufens, die sichtbar wurde anhand der Beziehungsqualität (man kann hier auch von einer Resonanzqualität sprechen, die der Soziologe Hartmut Rosa in seinem Buch »Resonanz« beschrieben hat) mit den Erzeugern, geprägt durch Offenheit, Vertrauen sowie die Sorge um das Gelingen des Produktes etc. Bezügleich der Solidarität lässt sich zusammenfassend festhalten, dass hier die Solidarität mit Mitunternehmen durch gegenseitige Hilfe zum Ausdruck kommt, beispielsweise darin, dass man einen Müller, der seinen Betrieb schließen musste, zum einen bei MÄRKISCHES LANDBROT fest anstellte, zum anderen hohe Darlehensschulden übernommen wurden und damit seine physische Existenz gesichert werden konnte. Für den Wert der Gerechtigkeit lässt sich besonders hervorheben zum einen die geringe Einkommensspreizung sowie die soziale Gestaltung der Produkte, indem beispielsweise Brote vergünstigt an Gemeinschaftsverpfleger wie Kitas und Altersheime verkauft werden. Zusätzlich werden die Preise für das hochwertige Produkt in einer Weise gehalten, dass auch Menschen aus eher einkommensschwachen Schichten sich das Brot leisten können. Das bedeutet in der Konsequenz eine Gemeinwohl-Orientierung zulasten einer Profitorientierung und ermöglicht somit einen gerechten Preis auch für Verbraucher. Für die ökologische Nachhaltigkeit lässt sich sagen, dass MÄRKISCHES LANDBROT GWÖ, GRI, DNK sowie EMAS in das Unternehmen implementiert hat und hier vorbildliche Werte beziehungsweise Minderungen von schädlichen Ausstößen erreicht. In der Konsequenz und Fülle erreicht VAUDE als weiteres GWÖ-Unternehmen eine ähnlich hohe Bedeutsamkeit.

 

 

Werte, Ergebnisse Gemeinwohl-Bilanzen 2011, 2012-2014 und 2014-2016

Einzig im Wert Mitbestimmung / Tranzparenz liegt MÄRKISCHES LANDBROT mit 55 Prozent nicht im Bereich »vorbildlich«, sondern »erfahren«. Dies hat seine Begründung darin, dass MÄRKISCHES LANDBROT wie fast alle GWÖ-Unternehmen im Prinzip klassisch hierarchisch aufgebaut ist. Das heißt es existiert eine eindeutige Top-down-Organisation, die zwar recht gut funktioniert, jedoch Mitarbeitern relativ wenig Mitentscheidungsrechte und Miteigentumsmöglichkeiten gewährt. Innerhalb dieser Formen existiert eine Reihe von informellen Strukturen, welche die formale Struktur »aufweichen«, doch nicht prinzipiell verändern. Hier wurde dem Unternehmen die Empfehlung 1 gegeben, sich Gedanken zu machen, wie in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine stärker gemeinwohl-basierte Unternehmensform kreiert werden kann.

Berührungsgruppen
Vorbildlich werden die Anspruchsgruppen »Lieferanten« (90 Prozent), »Kunden / Mitbewerber« (86 Prozent), das gesellschaftliche Umfeld (94 Prozent) sowie die Geldgeber (80 Prozent) gewertet.
Was die Lieferanten betrifft, so hängt die hohe Bewertung mit dem Hintergrund anthroposophischer Wirtschaftsweise zusammen und beruht auf der langjährigen Erfahrung und den Erfolgen in Netzwerken und einem Runden Tisch, um gemeinsam die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festzulegen. Dies geschieht mit der sozialen Tugend der Solidarität. Bezüglich des gesellschaftlichen Umfeldes bedeutet die hohe Bewertung, dass MÄRKISCHES LANDBROT ein notwendig hochwertiges Produkt herstellt, das in bestmöglicher Weise die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt. Ebenso ist MÄRKISCHES LANDBROT unmittelbar durch Organisation und Netzwerke tätig, das Anliegen eines ethischen, ökologischen und sozialen Produktes auch gesellschaftspolitisch sowie regional zu verankern. Mitbewerber werden - soweit immer möglich - über die wichtigsten Gegebenheiten von MÄRKISCHES LANDBROT informiert beziehungsweise es werden Kooperationen eingegangen. Was das Feld »Geldgeber« angeht, so verbleiben Gewinne im Unternehmen beziehungsweise es werden solche in die Bereiche Sponsoring und Spenden geleitet.

 

 

 

Stakeholder, Ergebnisse Gemeinwohl-Bilanzen 2011, 2012-2014 und 2014-2016

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden als Menschen mit ihren wertvollen Fähigkeiten für die Erreichung der Unternehmensziele angeschaut und auch so behandelt. Man begegnet ihnen mit großer Wertschätzung und Respekt. MÄRKISCHES LANDBROT bietet einen Arbeitsplatz, der sinnstiftend ist und sich an gemeinwohl-basierten Werten orientiert. Das Unternehmen stellt somit eine Alternative zum Werteverfall in der Ökonomie dar (siehe Felber Seite 33). Wenn die Bewertung in dieser Berührungsgruppe nicht so hoch ist wie bei den anderen, so liegt das lediglich daran, dass zum Teil die strukturellen und organisationalen Rahmenbedingungen fehlen, um den Gesichtspunkt der Mitbestimmung sowie die Partizipation an Unternehmenseigentum noch nicht vorhanden ist. Hierfür wurde die entsprechende Empfehlung gegeben. Sie soll einen Prozess einleiten helfen, um die Voraussetzungen zu schaffen, aber auch die Bereitschaft der Mitarbeiter fördern, die für das Gemeinwohl nötige Mitverantwortung zu übernehmen.

Indikatoren
Das Spinnendiagramm bestätigt in differenzierterer Weise die Auswertung des Werte- und Gruppensterns. Ergänzend kann hinzugefügt werden, dass für den Indikator des ethischen Finanzmanagements MÄRKISCHES LANDBROT insofern vorbildlich ist, als man das Konto bei der GLS-Bank hat (was auch Nachteile in Hinsicht Schnelligkeit und Sicherheit aufweist), die vorbildliche Darlehensstruktur, auch mit zinslosen beziehungsweise zinsgünstigen Krediten für Mitarbeiter, Bauern beziehungsweise anderer Berührungsgruppen sowie die hohe Eigenkapitalquote (über 50 Prozent), die raltiv unabhängig von Banken macht und eine hohe Liquidität garantiert, aber auch schnelle Investitionen und Reinvestitionen erlaubt. Ebenso vorbildlich lässt sich in A1 die Gestaltung der Wertschöpfungskette bezeichnen, die auf dem Prinzip von Solidarität, Menschenwürde und Gerechtigkeit aufgebaut ist und assoziativ, das heißt unter Beteiligung fast aller wichtigen Akteure dialogisch geformt wird. Abzüge in der Bewertung gab es in C5, weil die Mitarbeiter kein Eigentum am Unternehmen erwerben können. Langfristig ist eine Umwandlung des Unternehmens in eine Stiftung geplant.

 

 

Indikatoren, Ergebnisse Gemeinwohl-Bilanzen 2011, 2012-2014 und 2014-2016


Punkteauswertung 2014 - 2016

Testat-Audit, Gemeinwohl-Bilanz 2014-2016, Punkteauswertung