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Deutschlandfunk: Umwelt
und Landwirtschaft
Manuskript vom: 25.8.2003 • 16:35 Uhr
Groß
angelegte Werbeaktion der Biobranche
Tausende Bio-Brotboxen werden
kostenlos an Berliner Schulen verteilt.
Alle 28.500 Berliner Erstklässler haben
zur Einschulung eine Bio-Brotbox erhalten. In
zwei Schichten wurden die Brotboxen gestern den
ganzen Tag über gepackt und heute morgen ausgefahren
- von einem großen Paketzusteller, der sich als
Sponsor an der Aktion beteiligt. Schirmherrin
der Aktion war die Bundesministerin für Ernährung
Renate Künast. In einer Grundschule in Berlin-Marienfelde
half sie mit, die Boxen an die Kinder zu bringen.
Die gelben, wieder verwertbaren Plastikschachteln
wurden von den Kindern neugierig durchsucht. Gefüllt
waren sie mit einem gesunden Frühstück aus Bioprodukten:
Einer Scheibe Vollkornbrot, einem vegetarischen
Brotaufstrich, einer Möhre, einem Teebeutel, einem
Päckchen Studentenfutter und nicht zuletzt einem
Gutschein für je einen Liter Bio-Milch aus dem
Reformhaus oder dem Bio-Laden. Vitamine und Ballaststoffe
statt Fett und Zucker - das ist das Ziel der Brotbox.
Nach Angaben des Verbraucherministeriums sind
jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche
in Deutschland übergewichtig, und die Zahl der
zu dicken Kinder nimmt stetig zu. Zum einen, so
Künast, hätten Kinder heute ein bis zwei Stunden
weniger Bewegung als noch vor 20 Jahren:
“Der andere Punkt ist der, dass Sie
immer mehr verarbeitete Lebensmittel, die auch
hart beworben werden, auf dem Markt haben, die
als Geschmacksträger immer Fett haben. Ob Sie
jetzt Chips essen, Pizza essen, Burger essen -
das sind alles hochgradige Fettträger. Die Ernährung
ist immer fetter geworden, immer mehr Zucker,
und auf der anderen Seite fehlen ein, zwei Stunden
Bewegung am Tag. Und das wissen wir auch alle.
Wenn Sie das ein halbes Jahr machen, nehmen Sie
gnadenlos zu.”
Und nicht nur das Übergewicht ist Besorgnis erregend.
In anderen Familien wird offensichtlich zu wenig
gegessen. Diese Beobachtung hat Burkhardt Sonnenstuhl
vom Museums-Bauernhof Domäne Dahlem gemacht, einer
der Initiatoren der Brotboxaktion:
“Wir haben in Berlin mit mehreren Untersuchungen
feststellen können, dass wir Kinder haben, die
ohne Frühstück in die Schule kommen, leider auch
die ganz Kleinen. Und dann sitzen die da und quälen
sich bis zur ersten Pause oder bis zur Mittagspause.
Mir sagten Lehrerinnen und Lehrer, dass Kinder,
wenn sie montags in die Schule kommen, richtig
ausgehungert sind nach dem Schulessen. Das heißt,
es gibt einfach zu wenig zu essen zu Hause. Das
darf man nicht unterschätzen.”
Burkhardt Sonnenstuhl konnte für die Brotboxaktion
zahlreiche Sponsoren gewinnen, im Wesentlichen
aus dem Kreis der Reformhäuser und Bio-Produzenten,
die diese Werbemöglichkeit wahrnahmen. Sonnenstuhl
ist klar, dass die einmalige Brotbox eingefahrene
Essgewohnheiten nicht von heute auf morgen verändert,
aber:
“Es ist eine Anregung. Wir machen aufmerksam,
wir zeigen den Eltern: Hier ist eine Brotbox.
Packt bitte jeden Tag etwas rein, was Gesundes.
Wenn möglich nicht was Klebriges oder den Riegel,
den man schnell mal um die Ecke kauft. Darum geht’s:
Gesundes Frühstück, preiswert, wenn möglich aus
der Region und wenn möglich natürlich in Bio-Qualität.”
Die Brotboxen sollen also vor allem ein Anstoß
zum Umdenken sein. Den Initiatoren wäre es deshalb
sogar am liebsten, die Kinder würden den Inhalt
gar nicht sofort aufessen, sondern mit nach Hause
zu den Eltern nehmen, um sich dort die Sachen
mal gemeinsam anzusehen.
Die Aktion Brotbox in Bildern
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